Und plötzlich ist es wieder Herbst und man dreht die Heizung hoch, während der Regen mit sanften Fingern an die Fensterscheibe trommelt. Vom Straßenrand her grüßen die Blätterhaufen, durch die man – wie in Kindertagen – nur allzu gerne hindurchlaufen würde, und es riecht nach Erde und Schornsteinrauch.
Mit unserem Gedicht im November nehmen wir für ein weiteres Jahr Abschied vom Sommer und schlendern zusammen mit Rainer Maria Rilke durch ein herbstliches Stimmungsbild.

Herbsttag

HERR: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
Und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
Gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
Dränge sie zur Vollendung hin und jage
Die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
Wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
Und wird in den Alleen hin und her
Unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke
(Herbst 1902)